Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach
Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach

Aktuelles

Die Krippe wird wieder ab dem 24. Dezember 2017 bis zum 2. Februar 2018 ausgestellt sein.

 

Während der Ausstellung sind Krippenführungen gegen eine Aufwands-entschädigung auf Anfrage möglich.

Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach bei Regensburg

Etwas nordöstlich von Regensburg, am Eingang des Bayerischen Vorwaldes, liegt die Gemeinde Wenzenbach. Hier findet sich in der katholischen Pfarrkirche St. Peter alljährlich zur Weihnachtszeit ein kaum bekanntes Krippenkunstwerk. Es handelt sich um eine Südtiroler Künstlerkrippe, die von dem St. Ulricher Holzbildhauer Luis Prugger de Coi (1910–1945) etwa Mitte der 1930er Jahre geschaffen wurde.

Faszinierend ist nicht nur die herausragende Schnitzkunst des hochtalentierten Pruggers. Ergreifend ist auch dessen allzu kurze Lebensgeschichte, die durch den unseligen Zweiten Weltkrieg tragisch beendet wurde. Nicht minder erstaunt es, wie eine Südtiroler Künstlerkrippe dieser Qualität ihren Weg in eine Oberpfälzer Dorfpfarrkirche gefunden hat. So darf wohl behauptet werden, dass die Prugger Krippe heute zu den sehenswertesten Kirchenkrippen in Ostbayern zählt.

Luis Prugger de Coi (1910-1945)

1910 geboren wuchs Luis Prugger unter ärmlichen Verhältnissen in St. Ulrich im Grödnertal auf. Er hatte ein Talent fürs Schnitzen und erlernte den Beruf des Bildhauers in der Werkstatt von Hermann Moroder da Jumbierch. Im Zweiten Weltkrieg wurde er dann als Soldat in den Russlandfeldzug geschickt. Irgendwann wurde er als vermißt gemeldet und kam schließlich nicht mehr zurück. Als Todesjahr wird 1945 genannt.

 

Durch die tragischen Umstände des unseligen Weltkriegs war dem talentierten Prugger eine viel zu kurze Lebens- und Schaffenszeit gegönnt, wodurch sein im Grödnertal unvergessenes Werk überschaubar blieb.

(vgl. Elfriede Perathoner Bergmeister: Grödner Krippenschnitzkunst, Folio Verlag, Wien/Bozen 2004).

 

[Weitere Informationen zum Leben Luis Pruggers finden sie hier.]

BR Heimat "Habe die Ehre", Radiointerview am 27.12.2016

Radiointerview mit Michael Hafner vom 27.12.2016 auf der Internetseite des BR

http://www.br.de/radio/br-heimat/sendungen/habe-die-ehre/prugger-krippe-wenzenbach-juergen-winter-100.html

 

Bilderstrecke zum Interview auf der Internetseite des BR

http://www.br.de/radio/br-heimat/sendungen/habe-die-ehre/weihnachten-krippe-prugger-krippe-100.html

 

Radiointerview mit Michael Hafner vom 27.12.2016 als Download unter folgender Adresse

http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/br-heimat/mp3-download-podcast-habe-die-ehre.shtml

Gedanken anlässlich der Vervollständigung der Prugger Krippe zu Weihnachten 2014

Schon seit meiner Kindheit bin ich mit Schnitzereien und eben auch mit Krippen vertraut. So war mir schon lange Zeit bewusst, dass die Wenzenbacher Kirchenkrippe etwas Besonderes ist, als mir Anfang des Jahres 2001 der damalige Pfarrer Praun die Betreuung der Kirchenkrippe anvertraut hat. Damals habe ich mir drei wesentliche Ziele gesetzt. Erstens wollte ich, dass die Krippe in einer ihr würdigen Art und Weise präsentiert wird. Ob dies gelungen ist, darüber muss sich selber jeder Besucher einen persönlichen Eindruck machen. Zweitens wollte ich, wenn es nur irgend möglich wäre, die Herkunft dieser Krippe in Erfahrung bringen. Dies ist mir im Jahre 2012 gelungen, als ich erfahren durfte, dass sie der Südtiroler Luis Prugger de Coi (1910-1945) wohl in der Mitte der 1930er Jahre geschnitzt hat. Drittens wollte ich eine Lösung für das Problem der nicht mehr vollständig vorhandenen Schafe finden. Dieses dritte Ziel ist nun am 24. Dezember 2014 auch erreicht worden, als ich die letzten drei der geplanten neun neuen Schafe in die Krippe einfügen durfte. Und so ist die Wenzenbacher Krippe zum ersten Mal nach 33 Jahren wieder vollständig, nachdem nämlich 1982 das erste der neun alten Schafe verloren gegangen war.

 

So ist mit dem 24. Dezember 2014 nun endlich das erreicht, was mir in diesen vergangenen vierzehn Jahren von Anfang an eine Herzensangelegenheit war, mir aber zwischenzeitlich sogar zu einer schmerzvollen Qual wurde. Denn abgesehen davon, dass die Verwirklichung dieser drei Ziele tatsächlich viel mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als ich mir ursprünglich gedacht hätte, so wurde gerade die Verwirklichung des letzten Ziels am Ende sehr mühsam und schien fast schon zu scheitern.

 

Was mir heute aber vor allem Freude macht, ist der Gedanke, dass mit dem diesjährigen Weihnachtsfest, nun endlich jenes wertvolle Werk im Wesentlichen abgeschlossen ist, das Luis Prugger vor vielen Jahrzehnten irgendwann in den 1930er Jahren begonnen hat. Denn letztlich hat die Prugger Krippe ja erst jetzt, mit diesen neun neuen Schafen aus dem Grödnertal, ihre wahre Gestalt gefunden. Die alten Schafe hatten ja weder von der Größe noch von der Qualität zu den Figuren Pruggers gepasst, sodass es im Nachhinein ein Glücksfall war, dass ein Teil dieser Schafe verloren gegangen ist und dadurch ein Ersatz nötig wurde.

 

Nun wird also endlich jenes künstlerische Gesamtkonzept der Wenzenbacher Kirchenkrippe schaubar, dass ich in vielen Krippenführungen und auch in den Krippenführern immer wieder theoretisch beschrieben habe. Jetzt ist endlich die Gesamtschau dessen möglich, was Prugger und die Menschen erschaffen haben, die seine Krippe ergänzt und betreut haben. Was mich selbst betrifft, so bin ich mir durchaus bewusst, dass diese Gesamtschau ohne meinen Beitrag niemals möglich geworden wäre; wenn ich nicht all diese Dinge zusammengeführt, gedeutet und schaubar gemacht hätte. Besonders dankbar bin ich dabei vor allem all jenen guten Menschen, die mir bei dieser Arbeit geholfen und mich auf vielfältige Weise unterstützt haben.

Die Wenzenbacher Prugger Krippe wird ihr Gesicht auch in der Zukunft noch verändern. Ihre wesentliche Gestalt aber, hat sie schließlich doch noch pünktlich zu diesem Weihnachtsfest des Jahres 2014 nun endlich nach gut acht Jahrzehnten erhalten.

 

26. Dezember 2014

 

J. Winter

Die Gruppe der neun neuen Schafe
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