Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach
Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach

Aktuelles

Die Krippe wird am 24. Dezember 2018 wieder ausgestellt und kann dann bis zum 2. Februar 2019 besichtigt werden.

 

Während der Ausstellung sind Krippenführungen gegen eine Aufwands-entschädigung auf Anfrage möglich.

 

Kostenlose Krippenführung ohne Anmeldung voraussichtlich am

25. Dezember 2018

um 15:00Uhr (Änderungen vorbehalten).

Geschichtliches

Die Frage nach der Herkunft der Krippenfiguren

In Wenzenbach war die Herkunft der Prugger Krippe viele Jahrzehnte lang völlig unbekannt. Soweit ältere Wenzenbacher überhaupt etwas darüber zu sagen wussten, vermuteten sie ihren Ursprung in Oberammergau. Erst durch verschiedene Kontakte zu Krippenexperten, unter anderem 2004 zu Dr. Nina Gockerell vom Bayerischen Nationalmuseum, verdichteten sich die Hinweise auf Südtirol. Grundlage für diesen Verdacht war das Material der Figuren. Diese sind aus Zirbelholz geschnitzt, einer alpenländischen Kiefernart. In Oberammergau wird dieses Holz eigentlich nicht geschnitzt. Dort verwenden die Schnitzer traditionell seit jeher Lindenholz. Südtirol dagegen, dort insbesondere das Grödnertal, ist für Schnitzereien aus Zirbelholz weltberühmt. Außerdem ließ die ausgesprochen hohe künstlerische Qualität der Figuren vermuten, dass es sich bei dem Schöpfer um einen akademisch ausgebildeten und namentlich bekannten Holzbildhauer handeln musste.

Auf Spurensuche in Südtirol 2012

In den Faschingsferien 2012 kam es dann in St. Ulrich/Ortisei im Grödnertal zu einem Treffen mit Georg Bergmeister (Jahrgang 1964). Dieses Treffen wurde dankenswerterweise von Margarethe Andergassen-Graf vermittelt, die im Kloster Muri-Gries in Bozen ein Krippenmuseum leitet und Mitglied im Weltverband der Krippenfreunde ist. Bergmeister, der selbst ein hochtalentierter Kunstbildhauer ist, konnte dann bei diesem Treffen die Krippenfiguren, mit hoher Wahrscheinlichkeit, dem Werk Luis Prugger de Coi (1910-1945) zuordnen. Grundlage dafür bildete eine zweite Krippe von Luis Prugger. Bergmeister hatte zusammen mit seiner Ehefrau, Elfriede Perathoner-Bergmeister, ein Buch über die Grödner Krippenschnitzkunst verfasst, zu dem er die Fotografien gemacht hatte. Unter den Fotos in dem Buch befand sich eine Detailaufnahme dieser zweiten Prugger Krippe mit einem Dudelsackspieler. Als nun Bergmeister die Figur des Dudelsackspielers aus der Wenzenbacher Krippe sah, erinnerte er sich sofort an die fast identische Figur auf dem Bild aus dem Buch seiner Frau.

Die Privatkrippe von Pfarrer Brumbach

Für eine Kirchenkrippe sind die Figuren der Prugger Krippe eigentlich zu klein. Die stehenden Figuren weisen nämlich ein Grundmaß von 18cm auf, während für Kirchenkrippen meist eher größere Figuren üblich sind. Erklärbar ist dies dadurch, dass die Prugger Krippe ursprünglich gar nicht als Kirchenkrippe vorgesehen war. Vielmehr handelte es sich um die Privatkrippe von Josef Brumbach, der von 1937 bis 1961 Pfarrer in Wenzenbach war. Laut Aussage einiger älterer Wenzenbacher, die sich noch daran erinnern konnten, stand die Prugger Krippe zur Zeit von Pfarrer Brumbach nie in der Kirche sondern im Wohnzimmer des alten Pfarrhofes.

Wann und wie Brumbach die Krippe erstanden hat, lässt sich heute aber nicht mehr klären. Wahrscheinlich wird er sie wohl im Kunsthandel erworben haben. Dass Brumbach die Figuren direkt im Grödnertal gekauft hat scheint eher unwahrscheinlich, da die alten Schafe der Krippe wohl nicht aus dem Grödnertal stammen und auch in der Größe und der künstlerischen Qualität nicht zu den anderen Figuren passen. Hätte Brumbach die Krippe direkt in Südtirol gekauft, würde er dort wohl auch passende Schafe bekommen haben. Ungeklärt ist bisher auch ob Brumbach der erste Besitzer dieser Krippe war oder ob er die Krippenfiguren vielleicht während oder nach dem zweiten Weltkrieg aus zweiter Hand erworben hat.

Von der Privatkrippe zur Kirchenkrippe

Als Pfarrer Brumbach 1961 in Ruhestand ging, schenkte er die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter. Wohl seit dieser Zeit wird sie in der Kirche aufgestellt und ersetzt die wenig wertvolle alte Kirchenkrippe. Nach Aussage eines Wenzenbacher Bürgers wurde die Krippe in dieser Zeit wohl zeitweise auch mit einer gemalten Hintergrundlandschaft gezeigt. Genauere Erkenntnisse dazu, z.B. durch historische Aufnahmen, liegen bislang aber noch nicht vor.

 

Der Stall aus den 1970er Jahren

Prägend für das Gesamtbild der Krippe war seit den 70er Jahren der Hintergrund aus Tannenzweigen, die Landschaft aus Moos und der Stall in Form einer verfallenen Hütte. Dieser wurde in den 1970er Jahren von Heinz Klar aus Wenzenbach gefertigt und ersetzt seitdem einen älteren Stall, der heute nicht mehr vorhanden ist. Dieser ältere Stall stammte wohl noch aus der Zeit von Pfarrer Brumbach und war damals aber schon zu baufällig geworden. Der neue Stall hatte ursprünglich ein Rindendach. Ende der 1990er Jahre war dieses aber so unansehnlich geworden, dass es 2005 durch ein Schindeldach ersetzt wurde.

 

Die verlorenen Schafe

Im Jahre 1982 wurde die Krippe für eine Ausstellung in Norddeutschland wohl in der Nähe von Aachen verliehen. Die Krippe wurde am 11. März 1982 abgeholt und am 28. Oktober 1982 wieder gebracht. Dabei wurde dann festgestellt, dass ein liegendes Schaf fehlte. Dieses konnte nicht mehr gefunden werden. Es wurde dann ein Ersatzschaf im Fachhandel gekauft, das aber optisch nicht zu den anderen Schafen passte.

Bis Weihnachten 2000 wurde die Krippe immer auf dem damals noch vorhanden linken Seitenaltar der heutigen Werktagskirche offen aufgestellt. So konnte es geschehen, dass an Silvester 2000 oder Neujahr 2001 zwei stehende Schafe entwendet wurden, die ebenfalls nie wieder auftauchten.

Veränderungen seit 2003

Seit Weihnachten 2003 wird die Krippe in einem geschlossenen Kasten gezeigt. Dieser hat eine Grundfläche von etwa 2qm und ist auf drei Seiten und oben verglast, was einer offenen Aufstellung möglichst nahe kommen soll.

Nachdem im Februar 2012 dann die Herkunft der Krippe geklärt werden konnte, entstanden noch im gleichen Jahr in der Werkstatt der Gebrüder Bergmeister in St. Ulrich die ersten sechs der geplanten neun neuen Schafe als Ersatz für die alten, nicht mehr vollzähligen Schafe.

Für Weihnachten 2013 wurde endlich auch eine Beleuchtung in den Krippenkasten eingebaut. Die moderne LED Beleuchtung wird zwar den Farben der Figuren noch nicht optimal gerecht. Zumindest wird der Kasten dadurch aber nun erst einmal ausreichend beleuchtet. Mit der Weiterentwicklung der LED Technik, wird dann auch irgendwann später hoffentlich ein zu den Farben der Figuren passendes Licht möglich werden.

 

Weihnachten 2014

Pünktlich zum Weihnachtsfest sind aus Südtirol die letzten drei der neun neuen Schafe eingetroffen. Somit ist die Krippe seit Weihnachten 1981 erstmals wieder komplettiert und umfasst nun wieder 25 Figuren. Überhaupt muss man sagen, dass erst diese neuen Schafe das Werk Pruggers mehr oder minder abschließen, insofern als die alten Schafe nie zu den Figuren Pruggers gepasst hatten.

Neu ist 2014 auch der rote Samtvorhang des Krippenkastens und die rote Samtbespannung der Rückwand. Der neue Samt wurde ebenso wie die Beleuchtung dankenswerterweise von der MMC Wenzenbach gespendet. Dafür insbesondere ein herzliches "Vergelt's Gott!"

Auf Spurensuche in Süditrol 2016

Noch heute leben Mitglieder der Familie Prugger in St. Ulrich, die entfernt mit der Familie des Schnitzers verwandt sind. Es gelang mir Kontakt zu diesen Verwandten aufzunehmen, und so kam es am 19. Mai 2016 zu einem sehr interessanten Treffen in St. Ulrich, bei dem ich die wohl letzte noch lebende Person kennen lernen durfte, welche Luis Prugger noch persönlich gekannt hatte. Es handelt sich um die zu diesem Zeitpunkt 90jährige Maria Hofer.

 

Die Familie Hofer war die unmittelbare Nachbarsfamilie der Familie Prugger. Tatsächlich waren das Haus der Pruggers und das Haus der Hofers direkt aneinander gebaut. Maria Hofer lebte 2016 immer noch in diesem ihrem alten Elternhaus. Das Haus der Familie Prugger wurde dagegen vor einigen Jahren abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

 

Maria Hofer war Mitte der 1930er Jahre um die zehn Jahre alt und konnte sich noch gut an ihren Nachbarn Luis Prugger erinnern. So wusste sie zu berichten, dass der Vater von Luis im 1. Weltkrieg gefallen sein soll. Auf der Gedenkliste der Gefallenen des Ersten Weltkriegs bei der Pfarrkirche in St. Ulrich ließ sich diese Information allerdings nicht bestätigen.

Dafür fand sich auf der Tafel der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs aber immerhin der Name Alois Prugger, bei dem es sich vermutlich um den Taufnamen Luis Pruggers handeln muss.

 

Maria Hofer konnte außerdem berichten, dass Luis Prugger 1935/36 bereits als Soldat im Abessinienkrieg gedient hatte. Besonders wertvoll war außerdem ihre Erinnerung, dass Luis wie seine Brüder an einer Sprachstörung litt, die bei ihm am stärksten ausgeprägt war. So hatte Luis große Probleme beim Sprechen und stotterte schwer. Er hatte deshalb wohl die Angewohnheit beim Sprechen mit dem Fuß auf dem Boden aufzustampfen um so die Worte leichter hervorzubringen; wenn ihm dies dann aber doch mißlang, dann soll er aus Verlegenheit meist herzlich gelacht haben. Überhaupt beschreibt Maria Hofer Luis als einen herzlichen Menschen. Es sei damals, trotz der Armut und den schlimmen Kriegszeiten, eine sehr schöne Zeit gewesen, an die sie sich noch heute gern zurück erinnert.

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