Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach
Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach

Aktuelles

Die Krippe wird am 24. Dezember 2018 wieder ausgestellt und kann dann bis zum 2. Februar 2019 besichtigt werden.

 

Während der Ausstellung sind Krippenführungen gegen eine Aufwands-entschädigung auf Anfrage möglich.

 

Kostenlose Krippenführung ohne Anmeldung voraussichtlich am

25. Dezember 2018

um 15:00Uhr (Änderungen vorbehalten).

Eine Krippe in einmaliger Schnitzkunst

Figurenensemble in Wenzenbacher Kirche ist ein Einzelstück aus Südtirol.

Jürgen Winter ermittelte Luis Prugger als Künstler.
Von Ralf Strasser, MZ

WENZENBACH. Filigran, anmutig, sanft, ein Unikat und nahezu perfekt. Jürgen Winter, Realschullehrer und Krippenexperte, gerät ins Schwärmen, wenn er über „seine“ Weihnachtskrippe spricht. „Ich bin mir sicher, es gibt in ganz Ostbayern nichts Vergleichbares.“ Neun Schafe, die heiligen Könige, Christkind, Maria und Josef, Engel, Ochs und Esel. Eine Krippe, wie sie in diesen Tagen in vielen Kirchen aufgebaut wird – und doch ist dieses Ensemble einzigartig. Aus Zirbenholz hat sie der Künstler geformt und geschnitzt, den Figuren lebendiges Sein eingehaucht, detailversessen, mit einer Spur Südtirol im Renaissance-Stil.

Ursprünglich war es eine Privatkrippe des Pfarrers Josef Brumbach, verborgen vor den Blicken der Öffentlichkeit im Arbeitszimmer, später im Pfarrstadl. Erst als Brumbach 1961 in Ruhestand ging, „wanderte“ die Krippe in die Kirche und ins Licht. Und doch blieb die Herkunft bis dahin im Dunkeln. Seit Weihnachten 2001 kümmert sich Winter um die Krippe.

Schon als Bub fasziniert

Ganz offiziell, doch kennen und lieben gelernt hat sie der 43-jährige Wenzenbacher viel früher. „Schon als Bub hat mich die Krippe fasziniert, jedes Jahr, immer wieder aufs Neue. Als ich Ende 2000 feststellte, dass zwei Schafe fehlten, bin ich zum Pfarrer Praun gegangen und habe ihm ans Herz gelegt, doch besser auf das Kleinod aufzupassen.“ Der machte ihm ein Angebot, das Winter nicht ablehnen konnte: Er gab die Krippe in seine Obhut. Eine Herzensangelegenheit, meint er. „Ein Hobby, sicherlich, aber es ist wohl die Faszination der wirklich guten Schnitzkunst jenseits der Fabrikware.“ Der zweite Bezug ist das Außergewöhnliche an der Prugger-Krippe. „Ein Einzelstück in dieser Qualität werden sie bei uns vergeblich suchen.“ Selbst in Südtirol? Winter nickt. „Es ist schon etwas ganz Besonderes, was wir hier in Wenzenbach haben. Mir geht es hauptsächlich um die Wahrnehmung. Ich möchte die Menschen dazu bringen, genauer hinzusehen. Ich erlebe es immer wieder, dass nur ein flüchtiger Blick auf die Krippe geworfen wird. Jürgen Winter weiß, wovon er spricht, er ist „vorbelastet“, seine Mutter war Fachverkäuferin im Reich der Krippenfiguren, er wächst auf mit der Schnitzkunst. Die Frage, wer steckt hinter der Krippe, beschäftigt den Wenzenbacher seit seiner Patenschaft. Wer ist verantwortlich für die einmalige Schnitzkunst? Luis Prugger heißt der Künstler, ein Grödner, jung verstorben in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. 35 Jahre wurde er alt, kam vom Einsatz aus Russland nicht mehr nach Hause. „Nicht der berühmteste Schnitzer, einfach, weil er nicht alt genug werden durfte“, betont Winkler. „Aber: Er war mit Sicherheit einer der talentiertesten Schnitzer seiner Zeit.“

 

Doch vor 15 Jahren wusste Jürgen Winter davon nichts, „nur, dass es ein großer Meister sein musste.“ Spurensuche Teil eins: Er spricht mit Experten, nimmt 2004 Verbindung mit Dr. Nina Gockerell vom Bayerischen Nationalmuseum auf, es verdichten sich die Hinweise zum Grödnertal. Winter fährt nach Südtirol, nimmt mit zwei Figuren in der Hand Kontakt mit einem der prominentesten Fachmänner für Grödner-Schnitzkunst auf: Georg Bergmeister. Einer, dessen Kunst bis in den Vatikan reicht. Dieser erkennt sofort die Handschrift eines Könners, er forscht weiter und kommt auf den Namen Luis Prugger aus St. Ulrich. Gelernt hat Prugger bei den Besten im Südtiroler Tal, er schnitzte im Verbund der Künstlerdynastien, wurde gezielt als Bildhauer gefördert. „Er hätte ein ganz Großer werden können, wenn er nicht mit 35 Jahren verstorben wäre.“ Da ist sich Winter sicher.

„Luis hatte eine Sprachstörung“

Spurensuche Teil zwei: Winter will mehr wissen. Wer ist Luis Prugger? Lässt sich noch mehr erfahren? Winter schreibt Briefe und hat Erfolg. Er fährt Pfingsten 2016 nach St. Ulrich im Grödnertal, lernt dort Maria Hofer (90) kennen, die letzte noch lebende Person, die Luis Prugger persönlich kannte. „Luis hatte eine Sprachstörung“, erinnert sich Hofer, die selber kleine Krippenfiguren schnitzt und sich damit ein Zubrot zu ihrer Rente verdient. „Wie seine Brüder hat er gestottert. Er hat ein wenig darunter gelitten“, meint sie. „Oft hat er, wenn er etwas sagen wollte, mit dem Fuß auf dem Boden aufgestampft, um es herauszubringen. Doch wenn er es nicht schaffte, hat er einfach nur gelacht.“ Den Sprachfehler hat er geerbt, das Talent des Schnitzens auch. „Er hat sich damit ausdrücken können. Was mit Worten nicht funktionierte, übernahmen seine Hände und Werkzeuge.“

Was bleibt, ist sein Vermächtnis. Und das steht in Wenzenbach. Sicher verstaut wartet die Krippe darauf, an Heilig Abend enthüllt zu werden. Das macht Jürgen Winter nun seit 15 Jahren. Er sorgt dafür, dass die Kunst Pruggers nicht vergessen wird. Als die Schafe fehlten, sorgte er mit finanzieller Unterstützung der Pfarrei für adäquaten Ersatz. Natürlich aus der Werkstatt des Südtiroler Meisters Georg Bergmeister.

Eine neue Krippenlandschaft

Auch um das Backgroundszenario mit Moos, Tannenzweigen, Holz und Krippenhaus kümmert sich Winter. Beleuchtung und Samtvorhänge werden vom MMC Wenzenbach gespendet. Auf Dauer ist das sehr aufwendig, erfordert viel Zeit. „Allerdings passt es nicht so recht zum Stil der Figuren“, gibt Winkler zu Bedenken. Er will eine neue Krippenlandschaft kreieren, ganz im Grödner Stil. Es gibt also noch viel zu tun, Jürgen Winter packt’s an.

Der Artikel findet sich im freien Teil der Onlineausgabe der MZ unter folgender Adresse:

http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-land/gemeinden/eine-krippe-in-einmaliger-schnitzkunst-21373-art1462069.html

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