Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach
Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach

Aktuelles

Die Krippe wird am 24. Dezember 2018 wieder ausgestellt und kann dann bis zum 2. Februar 2019 besichtigt werden.

 

Während der Ausstellung sind Krippenführungen gegen eine Aufwands-entschädigung auf Anfrage möglich.

 

Kostenlose Krippenführung ohne Anmeldung voraussichtlich am

25. Dezember 2018

um 15:00Uhr (Änderungen vorbehalten).

MZ 24.12.2012 "Rätsel um die Krippe ist gelöst"

Von Gabriele Kittel, MZ

 

WENZENBACH. Seit zwölf Jahren kümmert sich Realschullehrer Jürgen Winter in der Kirche St. Peter in Wenzenbach um den Aufbau der Krippe. Der Stall und die wichtigsten Krippenfiguren stehen bereits im offenen Schaukasten. Doch etwas ist anders, in diesem Jahr 2012: Die Wenzenbacher Krippe hat einen Namen und sechs von insgesamt neun neuen Schafen bekommen.

 

Schon lange plagte den Nürnberger Realschullehrer Jürgen Winter die Frage, woher die herrlichen handgeschnitzten Krippenfiguren mit der durchdachten Symbolik eigentlich stammen. Bekannt war bisher lediglich, dass es sich bei der Wenzenbacher Kirchenkrippe um die private Krippe von Josef Brumbach handelt, der von 1937 bis 1961 Pfarrer in Wenzenbach war. Als er in den Ruhestand ging, hinterließ Brumbach die Krippe der Pfarrgemeinde. Seitdem wurden die handgeschnitzten Figuren aus gefasstem Zirbelholz, die wohl zum Großteil aus den 1930er Jahren stammen, in der Kirche aufgestellt. „Wenn jemand so meisterlich hat schnitzen können, dann muss das ein bekannter gewesen sein“, das stand für Krippenliebhaber Winter schon lange fest.

 

Der Mohrenkönig faszinierte

Und da die Figuren aus Zirbelholz sind, lag die Vermutung nahe, dass es ein Schnitzer aus Südtirol sein müsse. Für deren Schnitzer ist die Verwendung von Zirbelholz typisch. „Wenn ich was wissen will, dann beschäftigt mich das so lange, bis ich es weiß“, betont der gebürtige Wenzenbacher. Und in den letzten Faschingsferien war dann endlich auch einmal genug Zeit für eine Reise nach Südtirol ins Grödnertal. Dort traf er Krippenexpertin Margarete Andergassen, die auch das Krippenmuseum in Bozen leitet, und Georg Bergmeister, Holzbildhauer aus Leidenschaft.

„Ganz besonders fasziniert waren sie von dem Mohrenkönig“, erzählt Winter, der ein paar Figuren mitgenommen hatte. So meisterlich geschnitzt, so etwas sehe man nicht oft, da waren sich die Experten sofort einig. Als Bergmeister dann aber den Hirten mit Dudelsack sah, wusste er sofort, wer ihn geschnitzt haben musste: Der gelernte St. Ulricher Bildhauer Luis Prugger de Coi, der, Mitte 20, genau diesen Hirten mit Dudelsack auch für eine andere Krippe geschnitzt hatte, die Bergmeister kannte. Die Krippenfiguren von Prugger sind von ungemein starker Ausdruckskraft. Sie wirken weich und frisch, wie aus Ton modelliert. Zwar ist Luis Prugger viel zu früh gestorben, sein Werk aber ist im Grödnertal unvergessen. Mit die besten Krippenschnitzer der Welt, viele akademisch gebildete Schnitzer, echte Künstlerfamilien, stammen aus dem Grödnertal. „Ich hab‘ mir immer einen alten Mann vorgestellt, nie einen jungen Kerl, der hochtalentiert gewesen ist und in Russland bleiben musste“, betont Winter. „Er hat’s verdient, dass die Krippe nach ihm benannt wird, damit dieser hoch talentierte Künstler nicht in Vergessenheit gerät.“ Insgesamt elf oder 12 Figuren der Wenzenbacher Krippe hat Prugger mit hoher Wahrscheinlichkeit geschnitzt, darunter Maria und Josef, die Hirten, die Könige und der Engel. Die Gewänder der Könige besitzen teilweise sogar eine Lüsterfassung, das heißt eine farbige Lasur über einer Versilberung bzw. Vergoldung. Das Jesukind, der Ochs und der Esel stammen nicht von Prugger. „Eine Südtiroler Krippe aus den 30er Jahren, von einem so talentierten Schnitzer, in einer aufwendig gestalteten Landschaft – das ist eine der sehenswertesten Krippen im ostbayerischen Raum“, da ist sich Winter sicher. Er selber stellt zu Hause jedes Jahr eine Krippe auf, die drei Quadratmeter umfasst.



Jetzt fehlt noch das rechte Licht

Und nachdem die Herkunft der Krippe geklärt war, konnten auch neue Schafe in Auftrag gegeben werden. Die ursprünglichen Schafe waren nicht mehr vollzählig und passten von der Qualität her nicht zu den Südtiroler Figuren. In der Werkstatt von Georg Bergmeister, der auch verantwortlich für den Bau des neuen Ambos (am Boden stehende Kanzel) im Petersdom ist, sind bereits sechs von neun neuen Schafen entstanden. Vorsichtig und liebevoll holt Winter die stehenden und liegenden Schafe aus der kleinen Schachtel heraus und setzt sie eines nach dem anderen an ihren vorgesehenen Platz in der Krippe. Ganz fein und ausdrucksstark sind die Köpfe geschnitzt, ganz grazil die Füße herausgearbeitet. Wunderbar passen sie sich als vierte Gruppe in die Krippe ein. Drei Schafe werden 2013 noch in der Werkstatt fertiggestellt und dann die 25 Figuren der Krippe vervollständigen. „Das ist jetzt dem Werk von Prugger angemessen“, freut sich Winter. Mit dem Pinsel nimmt er noch letzte Feinarbeiten an der Landschaft der Krippe vor, bevor er sie bis zum ersten Weihnachtsgottesdienst verhüllt. Jetzt steht für Jürgen Winter eins noch aus: „Ich würd‘ mir einen Tüftler wünschen, der mir eine Beleuchtung entwerfen könnte.“

 

Der Artikel findet sich im freien Teil der Onlineausgabe der MZ unter folgender Adresse:

http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg/nachrichten-aus-dem-landkreis-regensburg/artikel/raetsel-um-die-krippe-ist-geloest/863158/raetsel-um-die-krippe-ist-geloest.html

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