Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach
Die Prugger Krippe der Pfarrei St. Peter in Wenzenbach

Aktuelles

Die Krippe wird am 24. Dezember 2018 wieder ausgestellt und kann dann bis zum 2. Februar 2019 besichtigt werden.

 

Während der Ausstellung sind Krippenführungen gegen eine Aufwands-entschädigung auf Anfrage möglich.

 

Kostenlose Krippenführung ohne Anmeldung voraussichtlich am

25. Dezember 2018

um 15:00Uhr (Änderungen vorbehalten).

MZ 24.12.2015 "Prugger-Krippe braucht einen neuen Stall"

Von Martina Schaeffer, MZ

 

WENZENBACH. Der Engel zwinkert milde von der Spitze des Stalls herab, lässt seine Botschaft auf Band sanft über der heiligen Szenerie schwingen. Darunter sind, liebevoll auf Moos, Zweigen und Sägespänen arrangiert, Maria und Josef, das Christuskind, ein König aus dem Morgenland und die Hirten versammelt. Auch die Schafsherde ist inzwischen wieder komplett. Neun Schafe sind es, fünf stehend, vier liegend. Ein Doppelschaf ist nicht mehr dabei. Genau so hat sich das Jürgen Winter vorgestellt. Nur die Kulisse, die Landschaft, den Stall hätte er nun noch gerne, passend zu dem kunstvollen Figurenschnitzwerk, originalgetreu erneuert.

Seit 15 Jahren kümmert sich der Realschullehrer, der aus Wenzenbach stammt, um die kostbare Krippe aus der Hand des jung verstorbenen Künstlers Luis Prugger. Die Krippe, die aus der Hinterlassenschaft von Pfarrer Brumbach stammt, war ihm von dessen Nachfolger, Pfarrer Praun, in Obhut gegeben worden.

Denn Winter hatte, selbst im Geschäft seiner Mutter mit Schnitzkunst aufgewachsen, ein besonderes Auge für das Kunstwerk gezeigt. Irgendwann waren zwei Schafe aus der Krippe gestohlen worden und er hatte dem Pfarrer ans Herz gelegt, doch besser auf dieses Kleinod aufzupassen.

Der Pate forschte

So bekam der Realschullehrer quasi die Patenschaft für die Wenzenbacher Krippe übertragen. Und die nahm Jürgen Winter schon immer sehr ernst und dafür auch einige Strapazen auf sich. Er machte sich auf Spurensuche, woher die Figuren ursprünglich stammen. Denn eines war ihm angesichts der so lebendig ausgeführten Arbeiten klar: Der Bildhauer musste ein Meister gewesen sein.

Das Holz, aus dem die Krippenfiguren geschnitzt sind, Zirbenholz, legte eine Spur nach Südtirol. Und so machte sich der Wenzenbacher, einige Figuren im Gepäck, selber auf ins Grödnertal und traf sich dort mit Experten: der Leiterin des Krippenmuseums in Bozen, Margarete Andergassen, und Georg Bergmeister, selbst ein Meister der Holzbildhauerei.

 

Außergewöhnliches Talent

Die beiden waren sofort fasziniert, zum einen vom König aus dem Morgenland, zum anderen aber vor allem vom Dudelsack spielenden Hirten. Angesichts dieses Meisterstückes wusste Bergmeister sofort, wer der Künstler gewesen sein musste: der Bildhauer Luis Prugger de Coi aus Sankt Ulrich. Denn der hauchte seinen Werken jene außergewöhnliche Ausdruckskraft ein, mit fein geschnittenen Linien und Kurven, akkurat modellierend, wie lebendig.

Da war auch Winter selbst fasziniert: So ein junger Künstler! Prugger war gerade mal 35 Jahre alt geworden, musste im Zweiten Weltkrieg in Russland sein Leben lassen. Und Winter sagte einmal im MZ-Interview: „Ich hab‘ mir immer einen alten Mann vorgestellt, nie einen jungen Kerl, der hochtalentiert gewesen ist.“ Nach dieser Erkenntnis beschloss er, die Krippe nach Prugger zu benennen, auch um sein Andenken zu bewahren.

 

Auch fremde Arbeiten

Elf oder zwölf der Wenzenbacher Figuren dürften durch die Hand des Südtiroler Holzbildhauers entstanden sein, darunter Maria und Josef, die Hirten, die Könige und der Engel. Das Jesukind, der Ochs und der Esel hingegen wohl eher nicht.

Die Schafe ließ Winter neu schnitzen. Sie waren ohnehin nicht mehr vollzählig gewesen und auch nicht original. Doch dieser Auftrag, ausgeführt in der Werkstatt von Georg Bergmeister, der auch den Ambos im Petersdom in Rom gebaut hatte, kostete den Wenzenbacher einige Nerven. „Das war eine Quälerei“, schildert er jetzt im Nachgang. Denn: Eines der gelieferten Schafe war zu klein, ein andres ein „Doppelschaf“, sprich: eine Figur, bestehend aus zwei Schafen. Sieben Schafe standen, zwei lagen. So wollte Winter das nicht, er hatte ganz konkrete Vorstellungen. Es sei ewig hin- und herverhandelt worden, zwei Jahre lang.

 

Die Schafe kamen endlich

Doch dann wurden endlich, kurz vor knapp, am 23. Dezember letzten Jahres die richtigen Schafe geliefert und Jürgen Winter konnte sie für Heiligabend auf der Krippe platzieren.

„Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt er. „Das hat mich sehr glücklich gemacht. Das war ein ganz besonderer Heiliger Abend.“

Denn: Die Krippe war nun komplett. Sie hatte wie letztmals an Weihnachten 1981 wieder 25 Figuren. Und sie wurde dann auch ins richtige Licht gesetzt. Die Beleuchtung war dank einer Spende der Marianischen Männerkongregation Wenzenbach modernisiert worden. Es gab neue Samtvorhänge, eine neue Bespannung.

Krippen-Pate Jürgen Winter ist zwar glücklich, aber so ganz zufrieden noch nicht. Denn: Er wünscht sich für diese besondere Prugger-Krippe auch eine andere Kulisse. Bisher baut er die Landschaft samt Grotte und Stall selbst aus Moosen, Zweigen und Sägespanen auf einer schlichten Holzplatte auf. Doch das sei sehr aufwendig.

 

In Szene gesetzt

Denn: Der Realschullehrer, der in Nürnberg Englisch und Geschichte unterrichtet und inzwischen in Neumarkt lebt, kommt seit Jahren regelmäßig zum dritten Advent in seine Heimatgemeinde. Er befreit das kostbare Schnitzwerk aus dem Dunkel seiner Verpackung und setzt es in der Kirche Sankt Peter als besonderes Highlight der Weihnachtszeit auf einer schlichten Platte in Szene. Zwei Tage hat er jetzt wieder daran gewerkelt.

„So wie ich es jetzt aufstelle, ist es auch schön“, betont er. Aber: „Es passt nicht zum Renaissance-Stil der Figuren.“ Und so möchte der Realschullehrer mit dem besonderen Hang zu Kultur und Historie gerne eine neue Krippenlandschaft im Grödner Stil bauen lassen. Das neue Projekt sei allerdings nur über Spenden zu realisieren, unterstreicht er.

 

Historische Fotos gesucht

Und noch ein Anliegen hat der gebürtige Wenzenbacher: Er sucht historische Aufnahmen der Wenzenbacher Kirchenkrippen beziehungsweise der weihnachtlich geschmückten Kirche. Wer solche hat, kann sich ebenfalls per Mail an info@prugger-krippe.de wenden oder direkt beim katholischen Pfarramt, Schönberger Straße 4, 93173 Wenzenbach, Tel. (09407) 2558, über das auch die Spendenaktion abgewickelt werden soll.

Die Prugger Krippe wird am Heiligen Abend zum ersten Gottesdienst in der Kirche Sankt Peter in Wenzenbach enthüllt und ist dort bis 2. Februar zu sehen. Jürgen Winter wird am 25. Dezember um 15 Uhr Interessierten Geschichte, Symbolik und Bedeutung erklären. Denn eines weiß er: „Das ist eine der sehenswertesten Krippen im ostbayerischen Raum.“

 

Der Artikel findet sich im freien Teil der Onlineausgabe der MZ unter folgender Adresse:

http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-land/gemeinden/wenzenbach/prugger-krippe-braucht-einen-neuen-stall-21410-art1322655.html

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